Jemen

Zwei junge Frauen entschließen sich im Rahmen ihrer Ausbildung zu einem Auslandspraktikum in einem Krankenhaus eines karitativen Projektes im Nahen Osten. Im ärmsten arabischen Land helfen sie denen, die sonst keine Aussicht auf Hilfe hätten. Die Arbeit ist etabliert und bei den Einheimischen geschätzt, dennoch sind sie sich auch der Gefahren bewusst, die ihnen schlussendlich zum Verhängnis werden: die Frauen werden zusammen mit sieben anderen Entwicklungshelfern gekidnappt und schließlich ermordet. Mit ihnen stirbt eine Frau aus Korea, eine Familie mit drei Kindern und ein Ingenieur bleiben vermisst.

Nun würde man einen Aufschrei erwarten. Er kommt auch – allerdings anders, als man denken möge. Denn die Ermordeten waren Christen. Und nicht nur das, sie handelten auch noch aufgrund ihres christlichen Glaubens! Und das ist nicht nur fundamentalistisch und respektlos anderen Kulturen gegenüber, nein, es ist auch gefährlich und ganz und gar dumm in einem solchen Land Entwicklungshilfe zu leisten, ganz besonders aus christlichen Motiven heraus.

Und weil das ja doch ein bisschen zu pietätlos wäre, würde man den beiden ermordeten jungen Frauen Dummheit, Fundamentalismus und blinden Missionseifer unterstellen, sucht man die graue Eminenz hinter dem Geschehen: das Hilfsprojekt, die Bibelschule, an der die beiden lernten, das fundamentalistisch-religiöse Umfeld, die Evangelikalen an sich, die immer noch in jeden Dschungel rennen und die dortigen glücklichen Wilden zu ihrer kruden Religion bekehren und ihnen ihre friedvolle Kultur rauben wollen.

Damit will natürlich auch die Landeskirche nichts zu tun haben. Jeder der kann, distanziert sich erstmal von Mission im Allgemeinen oder wenigstens von „solcher“ Mission (wobei immer noch nicht deutlich wird, worin genau das Verwerfliche dieser Arbeit bestehen soll) und trotz der in jedem Presseartikel zumindest am Rande erwähnten abzulehnenden Barbarei, der die Frauen zum Opfer fielen, scheint ihr Tod ein Anlass für ein einheitlich tolerantes „Habe ich es doch gesagt“ zu sein, das Entwicklungsarbeit kriminalisiert und mit durchdachten Kommentaren à la „Andere Länder, andere Sitten“ daherkommt.

Die Online-Ableger großer Zeitungen glänzen durch tendenziöse Artikel, halbgare Unterstellungen und Pseudomitleid mit den Opfern, die von ihren Lesern verfassten Kommentare unter ihrem Geschreibsel lassen in jedem halbwegs empathischen und denkenden Menschen Übelkeit aufsteigen. [1]

Beim Spiegel berichtet man überraschend kreativ über die Ermordung, indem erstmal der unschlagbare Kreuzzug-Vergleich ausgegraben wird, die Kirchen, die in der Vergangenheit bei Geiseldramen zu Fürbitte aufriefen, schweigen (oder melden sich diesbezüglich erst nach knapp drei Wochen zu Wort), ein Politiker, der selbst im Urlaub (!) in Jemen verschleppt wurde, verweist auf Missachtung der Reisewarnung des Auswärtigen Amts

Und während man in Deutschland versucht Opfer zu Tätern zu machen, gehen in Jemen tausende muslimische Menschen gegen die Gewalttaten auf die Straße. Andere Länder, andere Sitten?

.

.

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[1]

Eine Kostprobe:

20.06.2009, 11:45 Uhr

Diego sagt:
Die evangelikale Organisation/Sekte, die die jungen Dinger nach Jemen geschickt hat, traegt zweifelsohne eine grosse Mitverantwortung an dem Tod der beiden Maedchen. Ich hoffe, die Staatsanwaltschaft in Deutschland wird sich mit diesen Uebzerzeugungstaetern auseinandersetzen, waehrend die Jemeniten die Moerder – sollten sie sie jemals schnappen – sicherlich haerter bestrafen werden, als wir uns das in unserem Land vorstellen koennen.

20.06.2009,  11:45 Uhr

Über Leichen zur Mission sagt:
Wer sind die verantwortungslosen Hintermänner , die diese schlichten Gläubigen
BEWUSST in so ein Minengelände schicken ?????????
Das ist schon Mitbeteiligung am Mord.
Und zwar aus politisch-religiösem Kalkül.
Es ist zwar jeder für sich selbst verantwortlich – bei den beiden frauen schein es sich aber um naive Baptisten-Junkies zu handeln, die von der ‘Kirche’ wie bei anderen Sekten auch ‘ zu Marionetten abgerichtet worden sind.

Noch mehr?

20.06.2009, 11:52 Uhr

tribunusplebis sagt:
Das [Mission; Anm.d.Autors] ist nicht nur für Islamisten und konservative Moslem sein Affront. Das sollte für jeden Menschen ein Verbrechen darstellen, weil es das auch ist.
Mission ist ein Angriff auf die Menschenrechte. Die Freiheit von Religion und Weltanschauung gibt Christen, die meinen zur Mission berufen zu sein, nicht das Recht eben jene Freiheit von Religion und Weltanschauung anderer anzugreifen, wenn sie nicht dazu eingeladen wurden, das heißt das Opfer einer Mission gibt sich freiwillig in die Hände der Missionare.
Mission ist ein Verbrechen, das auch Artikel 4 GG nicht deckt.
Gut, die Reaktion war falsch, aber [...]

20.06.2009, 11:53 Uhr

durchaus gläubig sagt:
[...]
Es ist aber lächerlich, jemandem von etwas nicht Greifbarem überzeugen – und missionieren zu wollen.
Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen. Wer kleine Kinder hat und meint, er müsse auf dem Pulverfaß auch noch Funken tanzen, der ist nicht gläubig sondern einfach nur unglaublich einfältig. Hier sind Leute in ein Gastland gefahren, und haben dort versucht, Muslime zu missionieren – was allerdings keinen Mord rechtfertigt – aber: ANDERE LÄNDER, ANDERE SITTEN!!!!

4 Kommentare

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4 Antworten zu Jemen

  1. Alex

    Bemerkenswert ist auch, mit welcher Selbstverständlichkeit ständig von denen gesprochen wird, die die jungen Frauen “dorthin geschickt” hätten. In einem anderen Zusammenhang würde sich wohl niemand herausnehmen, die freie Entscheidung von Mittzwanzigern so abzuqualifizieren. Ganz schön sexistisch, finde ich.

  2. yvo

    Ganz schön bissig der Artikel!
    Aber leider steckt so viel Wahrheit darin!
    Tja… Wenn Mission jetzt seid neuestem ein Verbrechen ist, wieso kann man dann zum Verbrecher ausgebildet werden?

    Aber, wir wissen ja,wie das ist mit Religions- und Meinungsfreiheit in Deutschland und den “bösen” Evangelikalen…

  3. Pingback: Jemen: Die Eltern der ermordeten Bibelschülerinnen melden sich zu Wort « Evangelikalophobie-Watch

    • Gerhard Fuhs

      Drei Monate später

      Ja genau drei Monate ist es her dass die beiden jungen Damen im Jemen von islamischen Fundamentalisten oder ähnlchen perversen Verbrechern feige und grausam ermordert wurden.
      Und was ist geschehen im deutschen Medienwald ? Ein Großteil der Presse und auch leider politischer Interessenvertreter hat nichts besseres zu tun als nach Ursachen zu Suchen die zumindest teilweise den Opfern angelastet werden können ! ist ja leider sehr modern geworden diese schäbige Methode.
      Und da kommt der Verdacht des Missionierens gerade Recht, obwohl die beiden jungen Damen ja erst eine gute Wopche im lande waren und die Landessprache nicht beherrschten ! Völlig vergessen sind wohl die ganzen Lügen, mit denen die jemenetische Regierung unsere Politiker und amtliche Stellen gefüttert hat ! Völlig vergessen sind die Beteuerungen der Aufständischen, denen man es ja Anfangs seitens der Regierung im Jemen mit aller Gewalt zuweisen wollte ! Ja warum wohl ?
      Das sieht man doch mittlerweile, oder etwa nicht? Man brauchte mal wieder mit aller Gewalt einen triftigen Grund gegen die Aufständischen oder von mir aus auch Rebellen ganannt, vorzugehen ! Und das macht ja man ja mittlerweile mit aller Brachialgewalt. Aber auch darüber erfolgen die Nachrichten ungewöhnlich spärlich ! Man könnte ja sonst hierzulande auf dummen Gedanken kommen.

      Da geht man viel lieber hin und verunglimpft die Opfer, indem man Ihnen eine Mitschuld in die Schuhe schiebt, fälscht bewusst Nachrichten, indem man behauptet es hätte im schon Reisewarnungen im auswärtigen Amt gegeben, obwohl diese erst am 17.06.2009 verfasst wurden. Vorher gab es nur Sicherheitshinweise und nicht mehr. Da werden Presestimmen laut die Entführten wären zu einem Picknick in die Wüste gefahren, was auch nicht stimmt, sondern sie haben lediglich einen Mediziner der nur 5 Kilometer vom Arbeitsort entfernt war besucht, also mit dem Auto lediglich ein 5-Minutentrip.

      Und allm diese Lügen nur um ein islamisches Verbrechersystem im Jemen zu schützen, das Leute zum Tode verurteilt die sich der ja so friedlichen islamischen Religion abwenden wollen. Was macht man als geschickter Politiker in so einer Situation, man heuchelt mal eben kurz seine Bestürzung und lässt dann Gras über die Sache wachsen, damit bloss keiner auf dummen Gedanken kommt, wäre ja zu peinlich wenn man die Regierung eines Landes in ein schlechtes Licht stellen würde, in welches man schon dummerweise 70 Millionen investiert hat.

      Ich bin entsetzt, mit welcher Pietätlosigkeit und in welche Heuchlerischer Form in dieser Sache argumentiert wird und das Andenken an die Opfer in den Dreck gezogen wird.

      Ich habe langsam das Gefühl, es wird immer moderner, ganz gleich wie abscheulich und aus welch erbärmlichen Beweggründen ein Verbrechen begangen wird, die Schuld zunächst einmal bei den Opfern zu suchen.

      Ich kann die Freunde und Angehörige der beiden Opfer nur bedauern, welchen journalistischen Dreck sie da über sich ergehen lassen müssen .

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